Aus dem Vorwort

 
Buch

Helge Bredemeyer
Tante Sophie

Eine Ostfriesin erzählt
122 Seiten, zahlr., teilw. farbige Abb., Pb., 10,00 Euro
ISBN 978-3-89728-029-8

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»Grüß Tante Sophie!« So heißt es oft, wenn ich nach Spiekeroog fahre. Und auf Spiekeroog selbst rufen es mir Besucher und Insulaner zu, wenn sie wissen, daß ich gerade mal wieder bei ihr wohne. Spiekeroog hat was, weil es dort Tante Sophie gibt. Sie und die Insel sind in den Gedanken vieler Leute eins.

Auf Spiekeroog ist Tante Sophie eine Institution. Für die Insulaner allemal. Für viele Kinder, junge Menschen und für viele gestandene Erwachsene ist sie Hausmutter, Köchin, Tante und Vertraute in eins.

In ihrer großen Verwandtschaft nimmt sie einen ganz besonderen Stellenwert ein. Fast keine Familienfeier, zu der Tant’ Sophie nicht von der Insel anreist und ihren festen Platz in der Runde einnimmt. Dann ist es so, als ob sie nie Insulanerin geworden wäre.

Fast 80 Jahre ist sie heute alt, und wenn sie dann anfängt, sich an früher zu erinnern, dann bedrängen sie ihre Nichten und Neffen, mehr und mehr zu erzählen. Wie das denn war, als sie als junge Frau im dritten Reich vor der Kamera stand. Wie ihr Vater sie mit auf See nahm und wie es überhaupt zu Hause im Hafen von Neuharlingersiel in der Fischersfamilie zuging. Auch in Spiekeroog hören viele gerne zu. Nicht, daß sie ewig von gestern spricht, denn heute passiert auch noch so viel, über das man reden und sich Gedanken machen kann. Fährt Tante Sophie ins Dorf, kommt sie nie voran. »Ich brauch einen halben Tag durch’s Dorf, wenn ich was besorgen will.« Ob am Ausgang der Kirche, beim Bäcker oder beim Mittwochstee in ihrer Küche, es gibt immer etwas mitzuteilen. Aber gerade beim gemütlichen Klönschnack gehen die Gedanken oft rückwärts. Als ob mit dem Löffel in der Teetasse auch in der Vergangenheit gerührt würde. »Weißt du, so war das ja früher...«

So war es schließlich kein Wunder mehr, daß viele sagten: »Tant’ Sophie, schreib doch mal alles auf.« Alles erzählen wollte Tante Sophie schon, aber das Aufschreiben sollte jemand anderes übernehmen. Sie hatte dafür so ihre Gründe. So sind dann über ein Jahr lang die Aufzeichnungen entstanden. Ich habe nicht über Tante Sophie geschrieben, sondern für sie. Dabei habe ich, so gut ich nur konnte, darauf geachtet, ihre ureigene Sprache wortgetreu wiederzugeben. Schlicht und doch aussagekräftig. Beim Schreiben saß ich ihr in Spiekeroog ganz nahe, um immer wieder nachfragen zu können, Brücken im Gedankenfluß zu bauen und die Lebensgeschichten chronologisch zu ordnen.

Ich wünschte, es gelänge beim Lesen, ihre Geschichte nach- oder sogar mitzuerleben und vor sich das Treiben im Hafen, die Weite des Meeres und die Urigkeit der Insel Spiekeroog zu sehen. Manchmal kann auch zwischen den Zeilen gelesen werden. Ganz besonders, wenn es um Tante Sophies Zeit in den kirchlichen Heimen geht. Daß Tante Sophie ihr Christsein ernst nimmt, ist bestimmt immer zu spüren, und darauf legt sie auch großen Wert.

 
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Letzte Änderung: 19.04.2021 · webmaster